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In der Volöksstimme vom 16.06.2014 berichtete Michaela Schröder folgendes:

Volksstimme vom 16.06.2014Gequält, erniedrigt und getötet

In der Liebknechtstraße 65-91, unweit des Stadtzentrums, befand sich von 1944 bis 1945 ein Konzentrationslager. Am Sonnabend wurde der Opfer des ehemaligen Frauen-KZ gedacht. Mehr als 3000 Zwangsarbeiterinnen arbeiteten hier in der Munitionsproduktion.

Rund 20 Menschen haben am Sonnabend am Tor des ehemaligen KZ-Außenlagers Polte-Magdeburg in der Liebknechtstraße der Opfer des Nazi-Terrors gedacht. Vor 70 Jahren erreichten die ersten Häftlinge das Konzentrationslager. Die Gedenkveranstaltung hat traditionell mit der Kranzniederlegung an der Mahnstätte begonnen – im Gedenken an jene KZHäftlinge, die hier in den letzten Kriegsjahren erniedrigt, gequält und getötet wurden.

„Gedenkstätten an den authentischen Orten der Verbrechen sind für die Weitergabe der historischen Erinnerung wichtig", betonte Magdeburgs Gleichstellungsbeauftragte Heike Ponitka, „damit so etwas nie wieder weltweit und in der Geschichte Magdeburgs passiert.“ Dass nicht vergessen wird, was nicht vergessen werden darf.

Überlebende, Nachkommen oder Zeitzeugen sind nicht zur Gedenkstunde erschienen. „Die Hinterbliebenen leben heute in Polen, Russland oder sind in die USA, nach Südafrika oder Australien ausgewandert“, erzählt Pascal Begrich vom Verein Miteinander - Netzwerk für Demokratie und Weltoff enheit in Sachsen-Anhalt. Gleichzeitig erinnert der Historiker an ein weiteres dunkles Kapitel in der Stadtgeschichte Magdeburgs: „Am 17. Juni jährt sich die Errichtung des Konzentrationslagers Magda in Rothensee zum 70. Mal.“

Auf Initiative des Politischen Runden Tisches der Frauen der Landeshauptstadt Magdeburg, des Vereins Be- Reshith und des Kulturbüros der Stadt wurde am Tor des ehemaligen KZ-Außenlagers Polte-Magdeburg eine Gedenktafel in Auftrag gegeben. Sie wurde 2008 eingeweiht. Seitdem veranstaltet das Amt für Gleichstellungsfragen und die Frauen des Politischen Runden Tisches gemeinsam mit Künstlern dort alljährlich am 14. Juni

Vor 70 Jahren erreichten die ersten Häftlinge das KZ

Aus der Geschichte von Pascal Begrich*

Ein KZ mitten in der Stadt – das Außenlager Polte / Zum Hintergrund des Gedenkortes in der Liebknechtstraße

Am 9. Juni 1944 einigten sich Rüstungsminister Albert Speer und die deutsche Flugzeugindustrie auf den Einsatz von 20 000 zusätzlichen weiblichen KZ-Häftlingen in der Kriegswirtschaft. Dies nahm der Polte-Konzern – als Munitionsproduzent für die Luftwaff e - zum Anlass, gegenüber seinem Hauptwerk in Magdeburg ein Konzentrationslager zu errichten. Das Außenkommando der KZs Ravensbrück und Buchenwald befand sich inmitten des Wohngebiets Wilhelmstadt (heute Stadtfeld) an der Poltestraße (heute Liebknechtstraße).

Am 14. Juni 1944 erreichte ein Transport von etwa 1000 Häftlingen das Lager. Bis zum September 1944 erhöhte sich die Häftlingszahl auf über 1800 Frauen. Bis zu seiner Auflösung stieg die Gesamtzahl der inhaftierten weiblichen Häftlinge auf 3090. Sie kamen mit vier großen Transporten aus den Konzentrationslagern Ravensbrück, Stutthof und Bergen-Belsen nach Magdeburg. In ihrer Mehrzahl waren die Häftlinge polnische und sowjetische Frauen, die als Zwangsarbeiterinnen ins Deutsche Reich verschleppt worden waren. Hinzu kamen 600 Jüdinnen aus Ungarn, Polen, Litauen, Lettland, Rumänien und Österreich. Das KZ für Frauen wurde ab November 1944 durch ein KZ für Männer ergänzt.

Sadistisches Strafsystem prägte den Alltag

Hier waren bis Kriegsende etwa 1000 Juden aus Ungarn, Polen und Litauen inhaftiert. Einzelne Häftlinge kamen auch aus Deutschland, Jugoslawien, Italien und der Tschechoslowakei. Wie in allen Konzentrationslagern, so waren auch im Außenlager der Polte-Werke die Lebensund Arbeitsbedingungen von extremer Härte gekennzeichnet.

Die Frauen und Männer des Kommandos arbeiteten täglich zwölf Stunden in den verschiedenen Abteilungen der Munitionsproduktion. Es gab immer wieder schwere Unfälle. Die Zermürbungen und Drangsalierungen der Arbeitseinsätze fanden ihre Fortsetzung im Lagerleben. Entkräftung, Kälte, Hunger und Krankheit waren die ständigen Begleiter der Inhaftierten.

Hinzu kam ein grausames Lagerregime der SS-Wachmannschaften und Aufseherinnen. Stundenlange Appelle und ein sadistisches Strafsystem prägten den Alltag. Häftlinge wurden mit Scheinhinrichtungen gequält, ein junges ukrainisches Mädchen vor aller Augen wegen angeblicher Sabotage am Galgen hingerichtet. Dem Lager- und Arbeitsregime fi elen mindestens 20 Frauen und Dutzende Männer zum Opfer. Mehr als hundert Häftlinge wurden wegen Arbeitsunfähigkeit nach Ravensbrück, Bergen- Belsen und Buchenwald in den Tod geschickt.

Nur 600 Frauen überlebten das KZ Polte-Magdeburg

Als die amerikanischen und sowjetischen Armeen im April 1945 näher rückten, löste sich das Lagerregime im KZ Polte-Magdeburg allmählich auf. Einigen Häftlingen gelang es am 11. April in die umliegenden Stadtviertel zu fl iehen. Etwa 3500 wurden am 13. April von Volkssturm und SS zusammengetrieben und auf einen Todesmarsch nach Ravensbrück bzw. Sachsenhausen geführt.

Bei einem Zwischenstopp auf dem Gelände des Stadions „Neue Welt“ kam es zu einem Massaker der SS an mindestens 42 Häftlingen. Von den über 3000 Frauen des KZ Polte- Magdeburg erlebten nur etwa 600 das Kriegsende.

Seit den 1980er Jahren erinnert ein Mahnmal an der Liebknechtstraße 65 in Form eines ehemaligen Lagertors an die Opfer des Außenkommandos. Das Tor wurde auf Initiative des Politischen Runden Tisches der Frauen Magdeburg und des jüdischen Frauenvereins Bereshith 2008 durch eine Gedenktafel ergänzt.

*Pascal Begrich, geb. 1974, Historiker. Seit 2009 Geschäftsführer von Miteinander e.V., nebenberufl ich und ehrenamtlich Aktivitäten im Bereich Erinnerungs- und Gedenkkultur. Mehrere Veröff entlichungen, u.a. zum KZAußenlager Polte-Magdeburg.

 

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